Der 24-jährige Ruderer der Gießener RG bereitet sich am Olympiastützpunkt Dortmund auf den Leistungstest vor, um wieder in den Kader aufgenommen zu werden.
„Rudern bedeutet für mich Präzision, Teamgeist und den Willen, jeden Tag ein Stück besser zu werden. Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sind mein Traum – und ich werde alles dafür geben, ihn zu erreichen“, formuliert der 24-jährige Hanno Brach bei seiner Vorstellung klar und deutlich sein großes Ziel. Bis dahin ist es zwar noch ein langer Weg und es wird noch viel Wasser die Lahn herunterfließen, doch steht bereits Ende des Monats ein erster entscheidender Leistungstest an, mit dem der im Großen-Lindener Oberhof lebende Leistungsruderer seinem großen Ziel ein Stück weit näherkommen will.
Michel Zörb, Vorsitzender Öffentlichkeitsarbeit der Gießener Rudergesellschaft 1877 (GRG), hatte zur Sportler-Vorstellung eingeladen, nachdem Brach sein Studium in den Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Bachelor abgeschlossen und nun in Deutschland mit dem Master fortsetzt. Als Brach von der Ludwig-Uhland-Schule in die 5. Klasse an der Liebigschule gewechselt war, entwickelte sich hier auch seine Ruder-Leidenschaft. Allerdings war es zunächst die Leichtathletik, die ihn begeisterte und die er dann bis zu seinem 14. Lebensjahr – gemeinsam mit Rudern – betrieb.
Im Mai 2013 war er bei der GRG im Kinderrudern eingetreten. Nach dem Aufstieg in die leistungsorientierte Nachwuchsgruppe des Vereins unter Trainer Johannes Birkhan entwickelte er im Nachwuchsbereich Technik, Disziplin und Teamgeist. Dies führte 2019 zu einem wahren Erfolgsjahr, konnte Brach nicht nur erfolgreich sein Abitur ablegen, sondern auch einen Ruder-Triple-Erfolg als deutscher Meister, Europameister und Weltmeister in Tokio im Junior-Vierer ohne Steuermann (U19) feiern.
Noch in diesem Erfolgsjahr begann er sein Studium in Deutschland, entschied sich jedoch bald für einen Wechsel in die USA. Dort studierte er von 2020 bis 2024 Molekular-Biologie an der Princeton University in New Jersey und profitierte hier von deutlich besseren Strukturen für Sport und Studium: Training, Wettkämpfe und akademische Verpflichtungen konnten optimal aufeinander abgestimmt werden – etwas, das in Deutschland nur schwer realisierbar gewesen wäre. An der US-Uni war Hanno Brach Mitglied des Heavyweight Rowing Team, der Ruder-Mannschaft mit der er seine sportlichen Erfolge fortsetzen konnte. 2022 gewann er den deutschen Jahrgangsmeistertitel U23, 2023 die Bronzemedaille bei den IRA National Championships mit dem Princeton-Achter und 2024 den Sieg in der Ladies’ Challenge Plate bei der prestigeträchtigen Henley Royal Regatta in England.
Neben dem Rudern engagierte er sich akademisch intensiv: Er arbeitete als Research Assistant am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Bereich Kinderkrebsforschung und sammelte wertvolle wissenschaftliche Erfahrungen. Nun ist er wieder zurück in Deutschland und am Olympiastützpunkt Dortmund, dem bedeutendsten und traditionsreichsten Leistungsstützpunkt für Rudern, dem „Herz des deutschen Hochleistungsruderns“ und startet weiterhin für die Gießener Rudergesellschaft (GRG). Dort vertritt er seinen Verein bei nationalen Qualifikationsregatten.
Aktuell geht es darum, nun wieder in den Kader aufgenommen zu werden und die dafür erforderlichen Kriterien zu erfüllen, weshalb aktuell der Trainingsfokus auf dem Ende des Monats anstehenden Leistungstest gerichtet ist. Hier gilt es über 2000 Meter auf dem Ergometer und 6000 Meter Langstrecke einen vorgegebenen Zeitrahmen zu erfüllen. Seinen Kaderplatz hatte der GRG-Ruderer aufgrund seines Studiums in den USA verloren.
Doch Brach ist zuversichtlich, seine Position zurückzugewinnen. Für die Zeit am Olympiastützpunkt muss die GRG ein Einer-Boot an den Stützpunkt für Brach abgeben, wie Zörb berichtet. An der Universität Duisburg-Essen setzt Brach sein Studium fort und hat hier den Master-Studiengang in Molekularbiologie belegt. Nach dem Leistungstest stehen Trainingslager im Januar und Ausscheidungsrennen im März auf dem Programm. Brachs Ziel bleibt klar: Die Qualifikation für Olympia 2028 in Los Angeles. In welchem Boot er dort um Edelmetall kämpfen will, darüber werden die nächsten Wochen und Monate entscheiden.
